Die Suche nach sich selbst Der Jakobus-Weg in Bayrisch Schwaben
Immer mehr Menschen versuchen der Hektik der
heutigen Zeit ein Stück weit zu entfliehen. Sie suchen nach neuen Zielen
und Aufgaben für sich selbst - und nach einem Weg, diese zu
verwirklichen.
Schon
der Name Jakobusweg deutet darauf hin, dass er eine solche Möglichkeit
bietet, den Alltag hinter sich zu lassen und sich auf das zu reduzieren,
was man wirklich braucht.
Doch eine Pilgerreise setzt eine optimale Vorbereitung voraus, um
erfolgreich gelingen zu können.
Vor drei Jahren gründete eine Gruppe von Pilgerfreunden zu diesem Zweck
die „Jakobus-Pilgerschaft Augsburg e. V.“ - um die alte Pilgertradition
wieder aufleben zu lassen.
Der Vorsitzende des Pilgervereins, Herbert Seitz, kommt ins Schwärmen,
wenn er von den Erlebnissen und Erfahrungen spricht, die man bei einer
solchen Pilgerreise machen kann. „Allein die Tatsache, dass ich nur
soviel mitnehmen kann, wie ich auch tragen kann, macht so eine Wallfahrt
zu etwas ganz Besonderem“, erklärt er.
Man erfahre auf seinem Weg ein extremes Naturerlebnis. Durch die
Langsamkeit erlebe man die Landschaften viel intensiver, Kulturen würden
sich verändern und wieder ähneln.
Dies alles könne man nicht erfahren, wenn man in sein Auto steige und
einfach nach dreihundert Kilometern wieder am Ziel aussteige. Das
Pilgern unterbricht das normale Leben, das ist der Gedanke!
Jeder Einzelne pilgert zwar für sich selbst, doch trifft man sich heute
oft an Sammelpunkten, um gemeinsam den Weg zu beginnen. Man tauscht
Erfahrungen aus und geht ein Stück des Weges gemeinsam. Ähnlich sei es
auch im Mittelalter gewesen, so Seitz, man habe sich an bestimmten
Plätzen getroffen, um zu arbeiten und Geld für die Reise zu verdienen.
Hauptsächlich jedoch, um gemeinsam gegen die Gefahren des Weges besser
gefeit zu sein.
Früher sei es nicht selbstverständlich gewesen, dass ein Pilger auch von
seiner Wanderung zurückgekommen ist. Viele wurden überfallen und auch
getötet. „Heute sind die Wege markiert und sicher, wenn jemand aufgeben
muss, so meist aus physischen Gründen oder Krankheit“, sagt der
Vorsitzende.
Man habe früher versucht, so lange wie möglich den deutschsprachigen
Raum zu nutzen, um Sprachbarrieren aus dem Weg zu gehen. So entstand
auch logischerweise der Weg durch die Schweiz. Oft schloss man sich auch
deshalb zu Gruppen zusammen, um sich besser verständigen zu können.
Manche Pilger seien schließlich in Santiago hängen geblieben, daher auch
die deutschen Namen vieler Handwerksgeschäfte dort.
Motivation für Pilger entlang des Jokubsweges
Die Kernmotivation der Pilger ist und bleibt die
religiöse Sinnfrage. Ansonsten könne man auch Weitwanderwege gehen, sagt
Seitz.
Gleichzeitig hat der Entschluss oft philosophische Beweggründe: Die
Frage nach Gott und was über den Dingen steht! Im Mittelalter wollte man
dort hingehen, wo die Heiligen bestattet sind. Weil man so das Gefühl
hatte, der Gnade Gottes und dem Himmel ein Stück weit näher zu sein.
Schließlich seien die Märtyrer Zeugen gewesen, Zeugen der Wahrhaftigkeit
Gottes. Es war zu dieser Zeit auch das Denken, dass, wenn der Jüngste
Tag kommt, die Aposteln die ersten sein würden, die aufstünden. Ihnen
nahe zu sein, gab den Menschen Sicherheit.
Für die Zielgruppe, in der Hauptsache Menschen über 50 Jahre, stellt
sich auch die Frage: Traue ich mir das noch einmal zu? Kann ich mich
drei Monate vom Alltag ausschließen? Denn es sind immerhin 2500 km von
Augsburg bis Santiago de Compostela.
Doch es lohne sich, erklärt Seitz: Ein Bekannter von ihm sei bei seiner
Ankunft in Santiago so gerührt gewesen, dass er spontan ein Kirchenlied
angestimmt hätte, ohne sich um die Reaktionen der Leute zu kümmern. Eine
wichtige Erfahrung könne aber auch das Scheitern sein, das Aufgeben
müssen – meist einfach aus physischen Gründen. Oder der Zusammenschluss
mit anderen, die einem das Gepäck fahren oder beim Tragen helfen.
Viele Wege – ein Ziel - der Jokobsweg
Vier große Wege vereinen sich schließlich in
Spanien, wo der Hauptweg, der camino francés, in Santiago de Compostela
endet. Zuvor spannen sich Netzwerke durch ganz Europa und Deutschland,
unter anderem auch der Jakobus-Weg in Bayrisch Schwaben.
Ziel des Pilgerwegs ist das Grab des heiligen Jakobus, der der Legende
nach an einem Ort namens Compostela bestattet worden ist. Im 9.
Jahrhundert fand man in Santiago ein frühchristliches Grab und war
überzeugt, das es sich dabei um das Grab des Apostels handeln müsse.
Daraufhin wurde Santiago neben Jerusalem und Rom zum wichtigsten
Wallfahrtsziel. Man benutzte alte Handelsstraßen und übernachtete in
Klöstern.
Auf diese Weise entstand der erste grenzüberschreitende Wanderweg in
Europa. Und 1987 hat der Europarat den Jakobusweg auch zur ersten
europäischen Kulturstraße erklärt. Auch in Schwaben ist nun ein Weg
gefunden und markiert, der den Erfordernissen des Pilgerns entspricht.
Wie in früheren Zeiten weisen Informationstafeln an markanten Punkten,
gekennzeichnet mit der Jakobsmuschel, den Wanderern den Weg, geben
Hinweise auf das Höhenprofil, den Routenverlauf und den Standpunkt.
Pilgern? Aber wie?
Für diejenigen, die für sich den Entschluss gefasst
haben, auf Pilgerreise zu gehen, stellt sich die Frage, wie organisiere
ich meine Wanderung und wer hilft mir dabei? Das ist nicht schwer.
Bei der Planung der Reise hilft die Jakobus-Pilgergemeinschaft Augsburg
und während der Reise kann man alle nötigen Informationen, die man als
Pilger für den täglichen Bedarf braucht, in dem Führer für den
bayerisch-schwäbischen Wanderweg herausziehen, den die Gemeinschaft im
Stöppel-Verlag herausgibt.
Touren rund um den Jakobusweg bei German News
Eine Kurzdarstellung zu den einzelnen Routen mit der
Wanderkarte von einem Punkt zum Nächsten stellen wir Ihnen in
Zusammenarbeit mit dem Stöppel-Verlag hier vor.
Unser Buchtipp zum Jakobusweg
Bayr.-Schwäb. Jakobus-Pilgerweg
Vom Ries zum Bodensee in 16 Tagesetappen
von Ulrich Lohrmann
Auf insgesamt 400 Kilometern führt der Weg von Oettingen im Ries über
Augsburg bis nach Lindau am Bodensee. Aufgeteilt in 16 Tagesetappen
werden die Wegabschnitte ausführlich beschrieben und dabei alle
wichtigen Stationen des Pilgerweges ausführlich erläutert. Detaillierte
Karten und zahlreiche Farbabbildungen runden die Wegbeschreibung ab.
Im praktischen Teil findet man Einkehrempfehlungen, Etappenlänge und
Beschafftheit des Weges sowie Informationen zu markanten Wegpunkten.
Über 400 km auf den Spuren des heiligen Jakob, 144 Seiten, farbige
Abbildungen und detaillierte Karten, 12,2 x 20 cm, ISBN 3-89987-511-7,
Art.-Nr.: 511/1107, 14,95 Euro
Weitere Infos zum Jakobus-Pilgerweg erhalten Sie unter
www.stoeppel.de und
per email unter
info@jakobus-pilgergemeinschaft-augsburg.de
Informationen zur Teilstrecke "Donauwörth – Kloster Holzen" finden Sie
in German News hier
Die Vorstellung der Teilstrecke "Öttingen bis Wemding" finden Sie in
German News hier
Quelle: Stöppel Verlag, Ralf Österreicher
Fotos: Stöppel Verlag
Autor: Gerd Bruckner
www.germannews.com
Jakobusweg Teilstrecke II: Donauwörth – Kloster
Holzen
Der Jakobsweg, Jacobusweg oder Jakobusweg mit "k" geschrieben, ist ein
weit gefächertes Routennetz mit zahlreichen über ganz Europa verstreuten
Ausgangspunkten.
Alle Einzelwege bündeln sich in den Pyrenäen zu dem Hauptweg, der
westwärts durch Galizien nach Santiago de Compostela führt.
Ziel all dieser Wege ist das Grab des heiligen Jakobus d. Ä., der im
Jahre 44 nach Christus in Jerusalem das Martyrium erlitt. Er galt nach
christlicher Überlieferung als erster Missionar auf der iberischen
Halbinsel.
Der Legende nach sind seine Gebeine auf wundersame Weise in einem Boot
wieder nach Spanien gelangt und an einem Ort namens Compostela bestattet
worden.
Mittlerweile gibt es zahlreiche Anbieter rund um die Reise des
Jakobusweges die den Wanderer und Reisenden bei der Organisation der
Pilgerreise helfen.
Das gosse Interesse beruht in Deutschland sicher auch daran, dass der
Papst nun "Deutsch" ist und der vorherige Papst nicht nur "seelig"
sondern auch "heilig" gesprochen werden soll. Man kann dazu stehen wie
man will - die innere Ruhe und Reinheit mit sich selbst und der Welt zu
finden hat noch Niemand geschadet.
Seelische Reinheit à la Monaco Franze
So versuchte selbst der aus dem Bayerischen Fernsehen deutschlandweite
beliebt und bekannte "Monaco Franze", gespielt von Helmut Fischer, in
der Folge 6 "Mehr seelisch, verstehn's?" sich mit seinem Freund und
Spezl "Manni Kopceck", gespielt von Karl Obermayr, in einem Kloster
seelisch-geistiger Regeneration zu unterwerfen und an den
Klosterexerzitien teilzunehmen.
Im Gegensatz zum "er"leben im Kloster bietet der Jakobusweg ein aktives
Erlebnis und dazu bieten sich Teilstrecken bereits in Bayern an.
Denn nicht jeder Interessierte hat die Zeit und Möglichkeit den gesamten
Pilgerweg zu beschreiten. Aus diesem Grund zeigen wir Ihnen heute wieder
einen Streckenabschnitt in Bayrisch Schwaben, der schon zu Zeiten des
Mittelalters von Pilgern gegangen wurde.
Reiseführer "Bayrisch Schwäbischer Jakobus-Pilgerweg"
Der Reiseführer "Bayrisch Schwäbischer Jakobus-Pilgerweg - Vom Ries zum
Bodensee in 16 Tagesetappen (Autor Ulrich Lohrmann) hilft Ihnen bei der
Planung einer Tagestour.
Ein Vorschlag des Autors ist beispielsweise die Tour Donauwörth nach
Kloster Holzen die wir Ihnen hier auszugsweise vorstellen:
Jakobusweg Teilstrecke Donauwörth – Kloster Holzen
Auszug aus den Toureninfos des Autors
Mit dem Verlassen des Rieses und der schwäbisch-fränkischen Alb empfängt
den Jakobuspilger ein völlig verändertes Landschaftsbild, nämlich das
mittelschwäbische Terrassenland.
Es breitet sich südlich des Donautales bis zu den Endmoränen mit seinem
von zahlreichen Wasserläufen durchschnittenen Oberflächenrelief aus.
Davon profitiert auch unser Pilgerweg, der Sie nach einem anfangs wenig
dramatischen Auftakt schon bald entlang dem abwechslungs- und
aussichtsreichen Rand des Lechtales der Bezirkshauptstadt Augsburg
entgegenführt.
Donaubrücke Donauwörth Nordheim 2 km – Mertingen 9 km – Druisheim 12 km
–Allmannshofen 15 km – Kloster Holzen 17 km. Ebene Wegstrecke mit
unbedeutenden Steigungen aber wenig Schatten
Der Weg aus der Innenstadt von Donauwörth führt über die Donaubrücke, um
auf einem Fuß-/Radweg nach Nordheim zu wandern. Nach zwei Unterführungen
unter der Bahnlinie und der Bundesstraße kommen Sie über freies Feld
nahe dem Flusslauf der Schmutter und einem Radwegweiser folgend nach
Mertingen. Rechter Hand erkennen Sie die etwa 3 km entfernt Baumkulisse
des Natur- und Vogelschutzgebietes „Mertinger Hölle“, mit renaturierten
ehemaligen Torfabbauflächen.
Die Route durch das Neubaugebiet von Mertingen erfordert etwas
Aufmerksamkeit (Jakobus- Informationstafel beim Dr.-Steichele- Denkmal),
damit Sie ohne Abschweifungen nach Querung der neuen Umgehungsstraße
(rechts Hagenmühle und Reitsportzentrum) ansteigend zu einem Feldkreuz
gelangen. Hier haben Sie im Rückblick eine eindrucksvolle Aussicht auf
Mertingen, das Donautal und die dahinter sich erstreckende Schwäbische
Alb.
In Mertingen sind die wichtigsten Anlaufpunkte die Pfarrkirche
St. Martin die ein romanischer Vorläuferbau von 1726 ist. Bedeutende
Chorfresken, (Joh. Bapt. Enderle) Altäre und Burghöfe sind das ehem.
Römerkastell „Summuntorium“ am Ende der Via Claudia zur Sicherung der im
1. Jahrhundert n. Chr. hier verlaufenden Provinzgrenze.
In Druisheim sollten Sie sich einen Besuch der Kirche und der
Kapelle nicht entgehen lassen. Denn in Druisheim befindet sich die
Pfarrkirche St. Vitus mit bemerkenswerte Rokokoausstattung (u. a.
Fresken von Matthäus Günther) deren Neubau 1731/32 entstand.Die Kapelle
Zur Schmerzhaften Muttergottes entstand klurz danach 1749 in
einheitlichem Rokokostil.
Etwa 800 m östlich von Druisheim erkennt der aufmerksame Beobachter
parallel zur Landstraße die teilweise mit Bäumen bestandenen Reste der
Via Claudia.
Nach der Druisheimer Schmutterbrücke verlassen Sie nach rechts die
Nordendorfer Landstraße und gehen auf einem Feldweg vorbei an der
Muttergotteskapelle nahe dem Flusslauf südwärts, um bald das Unterdorf
von Allmannshofen zu erreichen und nach 1 km am Fuß des Holzener
Klosterberges zu stehen.
Am Friedhof bringt eine steile Treppe den Wanderer hinauf zu einem
Torbogen, hinter dem ein geräumiger Innenhof sich befindet
(Jakobus-Informationstafel).
Kloster Holzen: Im 12. Jahrhundert Stiftung des ursprünglichen
Benediktiner- Doppelklosters. Nach Verlegung auf den Karlsberg Neubau
der heutigen Anlage von Franz Beer (1696–1704), heute Besitz der
Ursberger St. Josefs-Kongregation.
Doppeltürmige ehem. Klosterkirche St. Johannes d. T. mit prächtiger
Ausstattung (Wessobrunner Stuck, aufwändige Altäre). Wallfahrt zum
wundertätigen Christkind von Holzen.
Die Abgeschiedenheit des klösterlichen Ortes und die angenehme
Atmosphäre des Klostergasthofes sind genau richtig, um den an Eindrücken
so reichen Tag gemütlich ausklingen zu lassen.
Pilgerausweis
Die Jakobus-Pilgergemeinschaft Augsburg e.V. hat einen Pilgerausweis
entwickelt, der im Kath. Pfarramt St. Max, Franziskanergasse 8, 86152
Augsburg (Tel. 0821 343223-0) erhältlich ist. Mit ihm kann der Inhaber
an vielen Orten durch Stempel seine Pilgerreise dokumentieren lassen.
Gleichzeitig erfährt er unterwegs Hilfe in Notfällen und bei der Suche
nach Übernachtungsmöglichkeiten in kirchlichen Einrichtungen.
Schließlich bieten zahlreiche Gaststätten bei Vorlage des Ausweises
preisgünstige Pilgeressen an.
Für die Tourenplanung ist es gut zu wissen, ob und wie der Pilgerweg mit
einem öffentlichen Verkehrsmittel erreicht werden kann. Dies ist bei
einzelnen Tageswanderungen wichtig für die Festlegung des Start- und
Endpunktes.
Kontakt und Adressen:
Brauereigasthof, Hilaria-Lechner-Str. 21 (Ruhetag: Sa) mit
Übernachtungsmöglichkeiten
Klostergasthof Holzen, Klosterstr. 3 86695 Allmannshofen-Holzen, Tel.
08273/99590 Fax 08273/99 5929. E-Mail:
info@klostergasthof-holzen.de
Dorfmuseum Mertingen, geöffnet: Mai–Sept. 1. Sonntag i. M. 14.00–17.00
Uhr
Gemeindeverwaltung: 86690 Mertingen Fuggerstr. 5, Tel. 09078/960012,
Fax: 09078/960020, Gemeindeverwaltung: 86695 Allmannshofen, Kirchstr.
20, Tel. 08273/998687 Fax 08273 998688
Jakobusweg Buchtipp
Jakobusweg Teilstrecke I: Im Ries von Öttingen bis Wemding
Der Jakobs- oder Jakobusweg ist ein weit gefächertes Routennetz mit
zahlreichen über ganz Europa verstreuten Ausgangspunkten. Alle
Einzelwege bündeln sich in den Pyrenäen zu dem Hauptweg, der westwärts
durch Galizien nach Santiago de Compostela führt.
Ziel all dieser Wege ist das Grab des heiligen Jakobus d. Ä., der im
Jahre 44 nach Christus in Jerusalem das Martyrium erlitt. Er galt nach
christlicher Überlieferung als erster Missionar auf der iberischen
Halbinsel. Der Legende nach sind seine Gebeine auf wundersame Weise in
einem Boot wieder nach Spanien gelangt und an einem Ort namens
Compostela bestattet worden.
Wer in den Katalogen von Reiseveranstaltern blättert oder in den Regalen
von Buchhandlungen und Bibliotheken stöbert, ist vielleicht überrascht
von den zahlreichen Angeboten und Veröffentlichungen, die sich mit der
Wallfahrt zum heiligen Jakobus befassen.
Das Thema hat in den letzten Jahren einen ungeahnten Höhepunkt erreicht,
wobei neben spirituellen Motiven auch touristische Absichten
feststellbar sind. Zweifellos wurden und werden auf diese Weise viele
Menschen dazu angeregt, sich auf den Weg zu machen, um den Alltag hinter
sich lassen, sich selbst zu finden oder ganz einfach etwas Besonderes zu
erleben.
Die Wiederentdeckung des Pilgerns auf Jakobswegen zeigt, dass es sich
zunehmend zu einer ökumenischen Unternehmung entwickelt hat. Das ist
nicht selbstverständlich, denn nach dem Glauben der katholischen Kirche
können lebende und verstorbene Christen, insbesondere die Märtyrer als
Fürsprecher bei Gott angerufen werden, was jedoch dem Bibelverständnis
der evangelischen Christen nicht entspricht.
Trotzdem sind sich beide Konfessionen inzwischen darin einig, die
Heiligen als Vorbilder anzusehen, denen es nachzueifern gilt. So gesehen
ist die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela für jeden offen, der
bereit ist, sein Leben zumindest für einige Zeit nach den Regeln der
Menschlichkeit, des Nachdenkens und des Verzichts auszurichten.
Doch keine Angst. Der Jakobusweg muss nicht auf einmal ergangen werden.
Nein - er bietet vielmehr die Möglichkeit, je nach Zeit und Möglichkeit
des Interessierten, einen Weg mitzugehen und sich in dieser Zeit etwas
zu sammeln und in sich zu gehen.
Es soll kein Martürium sein - geistige Festigkeit setzt lediglich den
willen voraus etwas neues, etwas Anderes zu finden und wenn dieses Neue
man selber ist.
Eine gute Möglichkeit für eine Start oder einer Begehung eines
Teilstückes ist sicherlich Bayern. Denn Bayern ist ein sehr beliebtes
Urlaubsziel und weckt bei Besuchern das Interesse an Brauchtum und
Geborgenheit.
Gehen Sie also mit uns entlang des Jakobusweges und finden Sie den
Startpunkt in Ihrer Nähe.
Nicht jeder Reisende hat die Zeit und Möglichkeit den gesamten Pilgerweg
zu beschreiten. Aus diesem Grund zeigen wir Ihnen Streckenabschnitte in
Bayrisch Schwaben die schon zu Zeiten des Mittelalters von Pilgern
gegangen sind.
Natürlich ist es jedem mündigen Jakobspilger selbst überlassen ist, sich
seine Tagesstrecke selbst einzuteilen. Trotzdem kann für denjenigen, der
die gesamte Route zurücklegen und deshalb über mehrere Tage unterwegs
sein will, ein Vorschlag für die Unterteilung in „handliche“ Etappen
sehr nützlich sein.
Der Reiseführer "Bayrisch Schwäbischer Jakobus-Pilgerweg - Vom Ries zum
Bodensee in 16 Tagesetappen (Autor Ulrich Lohrmann) hilft Ihnen
ausgezeichnet bei der Planung von Tagestouren,
Ein Vorschlag des Autors ist beispielsweise die Tour im Ries von
Öttingen bis Wemding die wir Ihnen hier auszugsweise einmal vorstellen:
Auszug aus den Toureninfos des Autors
"Unsere Pilgerwanderung durch Bayerisch-Schwaben beginnt in der gut
erhaltenen Altstadt von Oettingen, wo uns der Schutzpatron der nächsten
Tage und Wochen in der Jakobskirche verabschiedet. Unterwegs erleben wir
neben der schönen Riesebene in der Wallfahrtskirche Maria Brünnlein
bodenständige Frömmigkeit und schließlich in Wemding das von
Jahrhunderten geprägte Bild einer romantischen Kleinstadt."
Beim Aufbruch in Oettingen, der romatischen Fürstenstadt an der
Nahtstelle von Bayerisch-Schwaben, Franken und Baden-Würtemberg hat uns
eine große innere Spannung erfasst, die uns von nun an lange nicht mehr
ruhen lässt, wenn wir auf dem Pilgerweg dem noch weit entfernten
Bodensee zustreben.
Die 1057 gegründete Stadt wurde im 12. Jahrhundert erweitert und zur
Residenzstadt ausgebaut. Ev. Pfarrkirche St. Jakob: Im Kern
mittelalterlich, Umbauten im 15. und 16. Jahrhundert, 1680
Barockisierung. Zahlreiche Figuren und Epitaphe.
Neues Schloss: Umbau 1680 im Stil der Renaissance. Sitz des staatlichen
Zweigmuseums für Völkerkunde. Stadtbefestigung teilweise noch erhalten.
Gleichsam als Symbol für den vor uns liegenden Pilgerpfad weist uns an
der Pfarrkirche St. Jakob die in Bronze gegossene Figur eines
Jakobspilgers den Weg aus der Stadt hinaus. Vorbei an der kath.
Pfarrkirche St. Sebastian und durch das Zwingertor gelangen wir zur
Wörnitzbrücke, um dann auf dem Fuß/Radweg nach Megesheim zu wandern.
Nach Durchquerung der Ortschaft (Pfarrkirche St. Lucia und Ottilia) geht
es auf Feldwegen abwechslungsreich durch den Weiler Lerchenbühl und
weiter, nun auch durch Waldstücke, nach Trendel mit seinem schönen
Ortsbild und einem großartigen Ausblick in den Rieskessel.
Von nun an bewegen wir uns für einige Zeit im Landkreis
Weißenburg-Gunzenhausen und damit im Regierungsbezirk Mittelfranken.
Nach 15 Minuten kommen wir nach Polsingen mit einem ehemaligen
Wasserschloss (heute Behindertenwerkstätten der Diakonie
Neuendettelsau).
Wir überqueren die Rohrachbrücke und stoßen auf den weiß-rot-weiß
gekennzeichneten Frankenweg, der uns von hier bis Harburg begleiten
wird. Im weiteren Verlauf macht der Wechsel von Feld und Wald das
Wandern zu einem wahren Vergnügen.
Schon bald lässt uns der Blick auf die Wallfahrskirche Maria Brünnlein
erkennen, dass wir uns auf dem richtigen Weg befinden.
In diesem Gotteshaus erwartet und kurz vor dem Etappenziel ein überaus
reizvolles Ensemble. Der prachtvolle Rokokobau (Neubau 1748–52/81) ist
reich stuckiert und mit qualitätvollen Fresken (J. B. Zimmermann),
Altären und Plastiken ausgestattet. Eine wundertätige Muttergottes
(1755) ist das Gnadenbild.
Auf dem Weg nach Wemding verlassen wir kurz den Frankenweg und betreten
durch das Amerbachertor die historische Altstadt, deren Erkundung auch
am Ende eines Wandertages überaus lohnend ist. Am Haus des Gastes
erwartet uns die nächste Jakobusinformationstafel.
Wemding: Nach den ersten Anfängen im 8. Jahrhundert erhielt Wemding 1318
das Stadtrecht. Am Schnittpunkt wichtiger Verkehrswege entwickelte sich
die Siedlung zu einer wohlhabenden Ackerbürgerstadt. Der städtebaulich
interessante Marktplatz wird dominiert von der doppeltürmigen
Stadtpfarrkirche St. Emmeram. Der mehrfach umgebaute Bau hat heute ein
barockes Gesicht (Seitenaltäre von Dominikus Zimmermann).
Erwähnenswert ist auch das Geburtshaus des hier geborenen Arztes und
Botanikers Leonhart Fuchs (1501–66), dem Namensgeber der beliebten
„Fuchsie“.
Verkehrsamt Oettingen, Schlossstr. 36, 86732 Oettingen, Tel. 09082/7
09-51, Fax 0 9082/70988,
www.oettingen.de
verkehrsamt@oettingen.de
Verkehrsamt Haus des Gastes, 86650 Wemding, Tel. 09092/82 22 und 969036,
Fax 09092/96 9050,
www.wemding.de
tourismus@wemding.de