"Bugatti in der Scheune" Junge deutsche
Regisseure drehen erfolgreich TV-Spots
Einmal im Jahr vergibt der Verband deutscher Werbefilmproduzenten
e. V. (VDW) die "vdw awards" für die besten und künstlerisch
außergewöhnlichsten Werbefilmproduktionen in Deutschland. Er
stellt insbesondere die Frauen und Männer in den Vordergrund, die
für die Filme gearbeitet und besondere Leistungen innerhalb der
Filmfamilie erbrachten.
Die zur Zeit 38 Mitglieder des VDW repräsentieren etwa 75% des
nationalen Werbefilm-Produktionsvolumens, was einem Jahresumsatz
von ca. 250 Mio. Euro entspricht.

Hatto - der VDW Award
Zu Ehren und Gedenken des "vdw awards
Erfinders Hatto Kurtenbach", der sein ganzes Leben dem Werbefilm
verschrieben hatte, sind die Trophäen des vdw awards nach ihm
benannt, und tragen deshalb den Namen "Hatto".
So würdigt der Verband deutscher Werbefilmproduzenten nicht nur
die kreative Performance der ganzen Filmfamilie sondern auch die
im Hintergrund tätigen Filmschaffenden aus den Filmproduktionen.
Zur Teilnahme sind alle Werbeagenturen, Werbefilmproduktionen und
alle selbständig kreativ Schaffenden der Werbefilmbranche
zugelassen.
Anlässlich der Verleihung des VDW awards am 23.09.06 in Frankfurt,
dem einzigen deutschen Werbefimfestival, das ähnlich dem Oscar
filmische Einzelleistungen würdigt, sprach GermanNews vorab mit
Helmut Hartl dem Vorstandssprecher des VDW (Verbandes deutscher
Werbefilmproduzenten) über die Situation des deutschen
Regienachwuchses im Bereich Werbefilm.
Interview mit Helmut Hartl
Herr
Hartl, gibt es überhaupt junge deutsche Regisseure, die anständige
TV-Spots drehen können?
Und ob. Wir haben da sogar eine Art Vorreiterrolle in Europa.
Beim internationalen Young Directors Award in Cannes fällt unser
Nachwuchs regelmäßig durch überdurchschnittlich gutes Abschneiden
auf.
Vor allem in den letzten zehn Jahren hat sich bei uns sehr viel
getan. Wenn Ende der 80er in einer deutsche Produktion ein
Storyboard aus dem Fax kam, überlegte der Produzent in der Regel:
welchen Engländer ruf ich jetzt an?
Heute haben wir hingegen im eigenen Land einen großen Pool
hervorragender Regisseure, mit denen man sogar gegen manchen
internationalen Topstar Pitches gewinnen kann. Und dies ist nicht
zuletzt der Erfolg der konsequenten Nachwuchsförderung von uns
Produzenten.
Wie sieht diese Förderung denn genau aus?
In der Regel bieten einzelne Produktionen nur eine sehr
beschränkte Anzahl von Nachwuchsregisseuren an. Das liegt zum
einen daran, dass es nur wenige wirkliche Talente gibt. Zum
anderen kostet die Positionierung eines Newcomers viel Zeit. Es
bedarf viel gemeinsamer persönlicher Akquise bei den Agenturen,
und das Ergebnis sind häufig ambitionierte, aber unterbudgetierte
Projekte, Virals oder Specs.
Kommt man in echte Pitches, gibt es dann durchaus Unterstützung
von der Agenturskreation, zuletzt entscheidet der Kunde dennoch
häufig zugunsten des bekannten Namens. Dabei gibt es hier auch
rühmliche Ausnahmen mit Kunden wie McDonald´s, die keine
Berührungsängste zu haben scheinen und auch mit jungen Regisseuren
über Jahre hinweg immer wieder bemerkenswerte und zum Teil
preisgekrönte TV-Spots drehen.
Und manche engagierten Frühwerke schaffen es im zweiten Zuge auch
bis auf den Sender, so wie der Spec Ikea "Lampe"von Thomas
Richter, der Hochschulspot TV-Spielfilm "Kasperletheater" von
Moritz Laube und der Viral "Opel Tigra" von Marc Hartmann.
Wo findet man denn diese Talente, und woran erkennt man,
dass man vor einem steht?
Die meisten Werbefilmproduktionen betreiben ständig Talent
Scouting, recherchieren an Schulen, in anderen Ländern,
sprechen Spielfilmer, Music Video Regisseure, Fotografen und
Graphic Designer an. Und sie nehmen sich die Zeit und sprechen mit
der oft nicht unerheblichen Anzahl von Bewerbern, die sich aus
eigenem Antrieb bei ihnen vorstellen. Das alles ist ein Haufen
Arbeit.
Was macht ein Talent für Werbefilme aus?
Genauso gut zu sein wie andere reicht jedenfalls höchstens
dafür aus, sich für eine Halbwertszeit von drei Jahren auf dem
Markt zu halten.
Das meist sehr kurze Showreel eines Jungregisseurs muss daher dem
Kreativen in der Agentur das Gefühl vermitteln können, er habe
gerade einen Bugatti beim Bauern in der Scheune gefunden. Dazu
braucht es mindestens intelligente Skripts, den bislang
ungesehener Transfer von Produktaussagen, eine sinnliche und
eigenständige Bildsprache, die richtige Dosierung der
dramaturgischen Mittel. Und die Ideen müssen dem Regisseur die
Möglichkeiten bieten, eine besondere Regieleistung zu zeigen. Ab
und an kursieren so genannte Goldideen, die an eine zu verfilmende
Anzeige erinnern. Die bringen dem Regisseur leider gar nichts,
selbst wenn sie Preise gewinnen.
Ebenso muss der junge Regisseur unbedingt in der Lage sein, seine
Umsetzungsideen zu einem Filmkonzept vor Agentur und Kunden
glaubwürdig zu präsentieren.
Gibt es Kooperationen der Produzenten mit den entsprechenden
Ausbildungsinstituten?
Der Werbefilm ist nach wie vor die Königsklasse in der
Werbebranche.
Und weil wir Produzenten unter anderem dank unseres Know-hows ein
relevanter Bestandteil der deutschen Werbewirtschaft sind, haben
wir auch eine Ausbildungsverpflichtung. Darum sind Produzenten
häufig auch als Dozenten an Filmhochschulen wie Ludwigsburg oder
der HFF zu finden, ebenso in der Miami Ad School, der Master
Class, in der Texterschmiede und an anderen Ausbildungsinstituten.
Und ihre Seminare sind in der Regel ganz klar praxisorientiert.
Zudem bietet sich den Produzenten hierbei die Möglichkeit,
frühzeitig Talente zu scouten und zu fördern.
Welche Rolle spielen Werbefilmfestivals für die
Nachwuchsförderung?
Eine erhebliche. Denn sie sind in der Regel der Auslöser dafür,
dass an den Hochschulen überhaupt Spots gedreht werden.
Der berühmte Henessy Preis, dessen Eiinstellung einst viel
betrauert wurde, hat, Gott sei Dank , inzwischen einige würdige
Nachfolger gefunden. Der VDW-Award bietet in der Rubrik
"Hochschulfilme" der Werbebranche regelmäßig einen repräsentativen
Überblick darüber, was beim deutschen Nachwuchs los ist. Außerdem
gibt es noch First Steps, Porsche Award, Spotlight und Kurz und
Schön.
Die derzeit spannendste, weil internationale Veranstaltung für
Nachwuchsregisseure und die interessierte Branche ist der Young
Directors Award in Cannes, der vom cfp-e, dem europäischen
Dachverband der Werbefilmproduzenten, getragen wird. Er ist auf
dem besten Weg, die erfrischendste Veranstaltung während des
Werbefimfestivals in Cannes zu werden.
Größte Kontaktbörse für den Nachwuchs des deutschen Werbefilms
Gerade der Hochschulwettbewerb beim VDW award ist nicht nur
deshalb so wichtig, weil er junge Regisseure motiviert, TV-Spots
zu konzipieren und zu drehen. Er ist die derzeit größte
Kontaktbörse für den Nachwuchs des deutschen Werbefilms und
ermöglicht Produktionen wie auch Agenturen, viel versprechende
Regietalente persönlich in Augenschein zu nehmen.
Herr Hartl, wir danken für dieses Gespräch.
VDW Awardverleihung
Die Verleihung des VWD Awards mit anschließender Party erfolgt in
diesem Jahr am 23. September 2006 im Schauspielfrankfurt, Neue
Mainzer Strasse 17, 60311 Frankfurt
Einlass 18.30 Uhr Beginn 19:30 Uhr
Kartenbestellung
Karten zur Preisverleihung kosten 100 Euro*. Sie gelten für die
Preisverleihung und die im Anschluß stattfindende vdw award Party.
Eintrittskarten ausschließlich für die vdw award Party sind für 35
Euro erhältlich.
Für Interessierte steht ein
Kartenbestellformular im PDF-Format bereit.
Weitere Informationen zum VDW Award erhalten Sie unter
www.vdw-award.de
Informationen über den VDW erhalten Sie beim VDW Verband Deutscher
Werbefilmproduzenten, Poststraße 33, 20354 Hamburg, Telefon: 040 -
35085-13, Fax: 040 - 35085-80,
info@werbefilmproduzenten.de
www.werbefilmproduzenten.de
Autor: Gerd Bruckner