Drahtlos einmal anders Warum neue Strippen ziehen, wenn die vorhandenen Stromleitungen ebenfalls zur Datenübertragung taugen! Die soliden mitteleuropäischen Wände und Decken sind für WLAN-Signale ohnehin meist nur schwer penetrierbar
Eine Alternative bietet die Power Line Communications Technologie (PLC) von Corinex, die in gewisser Weise ebenfalls ohne Netzwerkkabel auskommt: Sie nutzt schlichtweg die bereits verlegten Hausstromleitungen als Übertragungsmedium, indem sie die Datenpakete mit dem aus der WLAN-Technologie bestens bekannten Modulationsverfahren OFDM (Orthogonal Frequency Division Multiplexing) im Kurzwellenband auf die Stromstrippen aufmoduliert. Die Reichweite hängt zwar relativ stark von den örtlichen Gegebenheiten ab, erreicht jedoch selbst unter ungünstigen Umständen bei rund 180 Metern Distanz noch annähernd 0,5 MBit/s. Die Vernetzung von zwei oder drei benachbarten Räumen ist damit gar kein Problem, etwas schwieriger ist es indes, ein PLC-Netzwerk über mehrere Etagen oder über verschiedene Hausstromkreise hinweg aufzubauen, weil die einzelnen Etagen normalerweise zentral von einem Punkt im Haus aus mit Strom versorgt werden – dem Zählerkasten, und dann können sich die Leitungslängen leicht über das Maximalmass hinaus addieren. Andrerseits stellt bereits diese Beschränkung bereits einen ersten physikalischen Beitrag zur Sicherheit im Netzwerk dar – schließlich ist es so unwahrscheinlich, dass die PLC-Ethernet-Signale auch beim Nachbarn aus den Steckdosen quellen
Die Corinex-Geräte, die auf Chips von Intellon basieren, arbeiten als reine Ethernet-Bridges und kommunizieren untereinander lediglich aus MAC-Ebene (Media Access Control). Nur solche Geräte können miteinander kommunizieren, die mit dem gleichen Passwort versehen sind. Vorgegeben ist das jederzeit beim Setup änderbare Passwort „HomePlug“, denn die Corinex-Geräte sind zum Home-Plug-Standard in der Version 1.0.1 kompatibel – und damit zu PLC-Produkten anderer Hersteller, die ebenfalls diese HomePlug-Version unterstützen. Das Passwort findet als NEC (Network Encryption Key) Verwendung, das ist ein 56-Bit-Schlüssel, der bei der erstmaligen Einrichtung einzugeben ist (und jederzeit geändert werden kann). Bei der Ersteinrichtung eines Corinex-Home-Plug-Gerätes muss ein Network Encryption Key (NEC) angegeben werden. Voreingestellt ist als NEC „HomePlug“.
Der Screenshot verdeutlicht, dass die Brutto-Übertragungsrate nicht konstant ist: Sie hängt davon ab, wie weit entfernt die Gegenstelle platziert ist und welche Topologie die Stromverkabelung aufweist
Die weitere Netzwerk-Einrichtung erfolgt unabhängig von den Corinex-Ethernet-Bridges in bekannter Manier, etwa durch manuelle Zuweisung von IP-Adressen (TCP/IP) über Windows oder andere Netzwerkbetriebssysteme – die Corinex-Geräte kümmern sich nicht um die höheren Protokoll-Ebenen, sondern verrichten auf den Schichten 10, 1 und 2 klaglos und im Netzwerk unsichtbar ihren Dienst.
Ohne Fleiss kein Preis
Durchsatz und Reichweite Wir haben mit dem Freeware-TCP/IP-Benchmark WSTTCP den Netto-Durchsatz der WallMount-PLC-Etherent-Adapter von Corinex in einem normalen Vierfamilienhaus aus den 60er Jahren gestestet, dessen Hausstromverkabelung noch ohne separaten Schutzleiter (gelb/grün) ausgeführt ist, und folgende Ergebnisse erzielt:
Dabei ist anzumerken, das Untergeschoss ab Hauptverteiler über eine andere Phase versorgt wird als das Erdgeschoss. Demnach hätten die OFDM-Signale einen Umweg über das nächstgelegene Umspannwerk des lokalen Energieversorgers nehmen müssen – was definitiv nicht möglich ist – oder im Hauptverteiler ist ein so genannter Phasenkoppler installiert, den es im Elektrofachhandel gibt. Als Phasenkoppler diente in diesem Fall unfreiwillig die an alle drei Phasen angeschlossene Waschmaschine im Keller! Es ist verblüffend, dass unter diesen Umständen überhaupt noch etwas beim Empfänger ankam. Als unüberwindlich für die OFDM-Signale der Corinex-PLC-Geräte erwies sich übrigens in diesem Kurztest der Überspannungs-Filter SurgeArrest Personal von APC, der das Server-Equipment unseres Testlabors im Souterrain gegen Störungen im Stromnetz absichert. Preise und Verfügbarkeit Die Wall Mount Adapter kosten 64,-- EUR inkl. MwSt., der Diagnostik Kit schlägt ebenfalls mit 64,-- EUR zu Buche. Corinex Produkte vertreiben in Deutschland, Österreich und Schweiz die Firmen Atlantik Systeme, Kraftcom, Innoware, Amazon und Easy4Living. In wenigen Tagen soll die COS Distribution AG folgen.
(ak) |