Andrea Limmer

Andrea Limmer

Redakeurin

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Und unter den Mandaten: Rechte aus allen Staaten

Da haben wir fein ins Narrenkasterl geschaut, gelt, als wir gesehen haben, wie stark die Rechten in Europa geworden sind. Da können wir wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen oder zusehen, wie die Figuren von der Union, der SPD, den Grünen und allen andern herumschleichen und rufen: „Wieso denn bloß? Wieso denn bloß?“ Die europäischen Rechtspopulisten haben ganze 142 Mandate errungen. Das ist ein Zuwachs von 78 Mandaten. Oho! Sind die Bürger etwa unzufrieden mit ihren Regierungen und der EU?

Wenn wir „Stimmen“ hören

Die CDU mag viel sein. Nein, entschuldigen Sie bitte, dieser Satz hätte als Anfang halt gut geklungen. Aber was nützt mir der schönste Sprachklang, wenn die Leute dann sagen: „Die Limmerin spinnt jetzt völlig. Die gehört nach Haar.“ Also noch mal: Die CDU ist eine Partei ist eine Partei ist eine Partei. Entschuldigen Sie noch mal, aber wer kann bei diesem Narrentanz, der zurzeit auf der nationalen und internationalen Politikbühne aufgeführt wird, noch irgendwas ernst nehmen? Ich kann es nicht. Nein, ich hab das Stadium des verzweifelten Lachens erreicht, gespeist aus Frustration, Misanthropie, Wut und ein wenig Angst.

Der Kniefall vor dem Bündnis

Manchmal, da wundert man sich tatsächlich noch über das politische und militärische Theater auf der Welt. Zum Beispiel: Warum haben alle Angst vor Russland, warum nicht vor Nordkorea? Zumindest wird in den Medien die Angst vor Russland viel mehr geschürt, als vor Nordkorea. Den Platz auf dem seit Jahrzehnten erbauten Sockel des Schreckens laufen den Russen höchsten die bösen Islamisten ab. Obwohl der „Oberste Führer“ Kim Jong Un in seinem Wahn angeblich so weit geht, dass er seinen Haarschnitt den männlichen Nordkoreanern per Gesetz verordnen will. Eine noch absurdere (und weitaus gefährlichere) Idee, hat man derzeit nur von Timoschenko gehört, die meint, alle Russen auf ukrainischem Gebiet solle man am besten mit Atomwaffen erschießen. Sehr gut.

Sage mir, was sie über dich sagen, und ich sage dir, wer du bist

Na bitte. Haben wir es endlich hinter uns, das große Wulff-Theater, bei dem sich jeder bemüßigt fühlte, als Regisseur Anweisungen bezüglich Moral zu geben oder zumindest als Regieassistent gackernd Maulaffen feil zu halten. Der letzte Vorhang ist gefallen und Wulff will wieder als Anwalt arbeiten (was eine gewisse Ironie in sich birgt, wo er sich selber so wenig hat verteidigen können). Man schreibt von seiner „geretteten Ehre“. Was er davon hat? Na ja. Eine positive Titelzeile, ein positives Foto und vielleicht (kurz) das Gefühl, dass die Welt wieder sein Freund sein will. Was freilich ein Schmarren ist, weil sich statt der Ehrenfigur Wulff die Wulffhetze viel stärker in die Köpfe der Theatermacher und -besucher eingebrannt hat.

Bürgerliche Wurschtigkeit: Sicher ist nur der Tod

Die Strategie „Scheiße in hübschen Dosen“ geht jeden Tag im Supermarkt auf, indem man Kunden mit sogenannten „grünen“ Logos suggeriert, dass die Nahrung in den bunten Verpackungen gut für uns ist, weil gesund und „funktional“. Diese Verkaufsstrategie funktioniert allerdings auch über die Menge. 20 Prozent mehr frittierte Kartoffelscheiben – wer kann da schon nein sagen? Unlängst konnte man auf ZDF Neo eine Dokumentation sehen, die zeigte, wie uns die Lebensmittelindustrie seit Jahrzehnten gezielt krank, fett, einsam und dumm macht.

Reich beschenkt und arm im Geiste

Juche, Hurra, das Christkind war da. Und einen Haufen Geld haben wir auch wieder in die Luft geschossen. Nun können wir in der Pose reich beschenkter Selbstzufriedenheit verharren und uns durch das neue Jahr appen. Manch ein Präsent wird traditionell erst Mitte Juni gefunden, man kann sich, bitte schön, nicht alles merken, bei diesem Wust an Päckchen, Herrschaftszeiten!, weil man als braves Kind halt so viel bekommt. Wobei so altmodische Begriffe wie "brav" freilich ausgetauscht worden sind durch: "Oberschicht".

Leser, hör die Signale

27. Oktober: Die Grünen wollen dem ehemaligen NSA-Mitarbeiter Edward Snowden Asyl in Deutschland gewähren. Der Grund ist das abgehörte Telefon von Angela Merkel. Der Gipfel des NSA-Skandals ist nicht das abgehörte Muttifon, sondern dieser Asylantrag seitens der Grünen, überhaupt das Rumoren innerhalb der politischen Meute. Seehofer ernennt den Datenschutz „sauer“ zu „einer dringlichen Aufgabe der Koalition“ und folgert genial, dass, wer eine Kanzlerin abhöre, auch die Bundeswehr, die Wirtschaft und (jetzt kommt's!) Privatleute abhöre.b3ae4eb144224cdcbaacb57dfb01dcba

Der selbe alte Käse und Nachrichten aus der Zukunft

So. Das war's also mit der Wahl. Was kann man noch drüber sagen? Fast 50 Prozent für Horst Seehofer und seine Superministerin Ilse Aigner-Wortwand und – trotz aller anti-bayerischen Häme über die vermeintlichen Königstreuen im Süden – 42 Prozent für die Union, oder besser gesagt: für Merkel. Aber haben wir das nicht eh alles erwartet? Die siegreiche Union, die geprügelte FDP, die zerbröselten Grünen, die mühsame und mühevolle SPD. Nur die AfD spielte die Rolle der großen Unbekannten und hat mit ihrem Beinahe-Einzug in den Bundestag erst einmal den gemeinen Deutschen kräftig erschreckt.

König der Werbepausen und Couchkartoffeln

Edmund Stoiber!, meinedamenmeineherren, Edmund Rüdiger Stoiber! Wir kennen ihn noch aus erfolgreichen Filmen wie dem Speed-Streifen „In zehn Minuten“, der heiteren Familienkomödie „Muschi“ oder der tragischen Romanze „Die godernde Lut“. Er hat seine Zuschauer begeistert. Millionen von Anhängern hat er charmant, weltoffen, schmunzelnd für sich eingenommen. Auch seine strengen Seiten, die väterliche Sorge, den unbayerischen Fleiß, liebte der Zuschauer auch am siebten Tage. Die Hütte brannte – entschuldigen Sie bitte diesen legeren Ton, aber es lesen auch Jugendliche mit, weil diese seit neuestem extrem an Politik interessiert sind – die Hütte brannte, allein wenn Edmund Stoiber! einmal keck den Aktendeckel aufschlug.

Der Circus ist in der Stadt! Staunen sie schweigend mit!

Erstaunliches geht vor im Land der Dichter und Denker. Da läuft ein Wahlkampf für die Bundestagswahl im September. Und niemanden scheint es einen Monat davor zu interessieren. Obwohl wir entscheiden sollen, wer uns weiterhin regiert – na ja: „regiert“. Wir sollen entscheiden, wer weiterhin entscheiden soll, was für uns das Beste ist. Und das, so scheint es, wollen die meisten in einer gemütlichen Wurschtigkeit wieder dem Mutti-Haushalt überlassen. Trotzdem zum Beispiel inzwischen jeder wissen dürfte, wie hausgemacht und weitergekocht die Europakrise ist. Und trotzdem die Amerikaner ihre NSA-Rüssel in Sachen stecken, die sie nichts angehen und Merkel samt ihrem Streichelzoo sich dieser Dreistigkeit gegenüber verhält, als täten uns die Spione damit einen Gefallen.

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