2014 - ein Deutschland Rückblick auf Zukünftiges in 2015 - German News Deutschland Nachrichten abseits des mainstream German News Magazin

2014 - ein Deutschland Rückblick auf Zukünftiges in 2015

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Die Angsthasen der Oberklasse

2014 abgehakt. Ein Anlass, um zurückzublicken. Im Rückblick sind die Deutschen gerne Helden. Dafür identifiziert sich ein ganzes Volk mit wenigen, herausragenden Persönlichkeiten, nur, um dem Spiegelbild sagen zu können: „Na! So schlecht sind wir gar nicht.“ Und auch in diesem Jahr zeigt uns der Fernseher wieder Bilder davon, wie oberklasse wir waren, sind und nicht zuletzt: sein werden.

In anderen Kulturen verläuft die Zeit nicht als Strahl in eine Richtung, sondern im Kreise, was wiederum Wiederholung bedeutet. Wer zurzeit auf die von sogenannten „Patrioten“ bevölkerten Straßen schaut oder in eine Talkshow, wo dieses Jüngergesindel um den AfD-Lucke sitzt, der bekommt gewiss das Gefühl der Wiederholung. Und zwar, dass sich ein ganz ekelhaftes, fürchterliches Kapitel der deutschen Geschichte wiederholen könnte.

Spätestens seitdem die AfD aus heiterem Himmel über Deutschlandland (und Europa) gekommen ist, um dem Volke zu seinem wahren Willen und Lebensglück zu verhelfen, muss uns klar sein: Es sind wieder Elemente salonfähig sowie öffentlich gerne gesehen, denen man eigentlich kein Forum mehr geben und mit denen man sich nicht zeigen wollte. Doch die Rechtspopulisten, Faschisten und Fremdenhasser erleben ein beinahe glamouröses Comeback. Aber so klar es auch vielen war, dass die braune Kacke am Dampfen ist, PEGIDA trifft uns unvorbereitet. Erstens, weil der Trupp so schnell so groß geworden ist (wie die AfD), zweitens, weil sich dessen Anführer öffentlich nicht äußern, dafür aber eine Aufmerksamkeit bekommt, die manche Friedens- oder Anti-Nazi-Demo gern hätte.

Da guckt sie besorgt, die Kanzlerin, wobei sie die Aktionen der Anti-Islambewegung „scharf verurteilt“. Meine Fresse, da werden sie sich in die Hosen machen, die europäischen Patrioten. Ja, nach diesen Worten werden sie künftig zu Hause bleiben, brave Bürger werden, die die zugezogenen Familie aus Ankara von nebenan zum Schnitzelessen einladen.

Die Kanzlerin wird aber ebenso verurteilt. Und zwar vom Hans Peter Friedrich, dem Ex-Innenminister und derzeitigen stellvertretenden Vorsitzenden der Unions-Bundestagsfraktion. Der hat gegenüber dem Spiegel erklärt: „Wenn Sie mich vor ein paar Jahren gefragt hätten, hätte ich gesagt: Wir putzen die weg, indem wir ihnen die Themen wegnehmen. Frau Merkel hat sich aber entschieden, der SPD und den Grünen die Themen wegzunehmen, denken Sie nur an den planlosen Ausstieg aus der Kernenergie oder die Einführung der doppelten Staatsangehörigkeit. Dies ist kurzfristig erfolgreich, wie die Meinungsumfragen zeigen, langfristig ist es ein verheerender Fehler, der zur Spaltung und Schwächung des bürgerlichen Lagers führen kann.“ Heißt das, die PEGIDA-Befürworter marschieren aus Friedrichs bürgerlichem Lager gegen den Islam auf die Straßen? Das würde seine Wählerschaft samt seiner Person gewaltig in Frage stellen, wieder einmal. Hat der bekennende Terrorphobiker doch einst so schön darüber referiert, dass der Islam kein Teil von Deutschland sein könne, was die Historie einwandfrei belege.

Wir erinnern uns: Der H.-P. Friedrich ist die Tratschtante beim Edathy-Kinderporno-Fall, der Vorratsdatenspeicher-Freak und der Freund der amerikanischen Spionage gegen seine eigene Regierung. Friedrich hat folgende Auszeichnungen: Die „Verschlossene Auster“, den „Big Brother Award“ und den Bayerischen Verdienstorden.

Andere Politiker treten dagegen ganz unverblümt positiv gegenüber PEGIDA auf. Bernd Lucke zum Beispiel, eh klar, der findet die Versammlungen „gut und richtig“. Aber auch Alexander Gauland, Landesvorsitzender der AfD Brandenburg, welcher an einem Aufmarsch der Islamophoben teilnahm.

Es ist indes logisch, dass das Verhalten von unseren Regierungspolitikern die Menschen zur NPD und ihren kleinen Schwestern treibt. „Die machen wenigstens was, die reden nicht nur“, sagen dann die Wutbürger mit glänzenden Augen. Ein älterer Mann hat bei einer PEGIDA-Versammlung erklärt, er sei hier, weil ihm die Maut versprochen worden sei und nun komme sie nicht. Das lässt er sich eben nicht gefallen, da geht er gegen den Islam auf die Straße. Gut, davon kriegt er vielleicht keine Maut, aber die Wut im Bauch weg – und im Idealfall verschwinden diese suspekten islamischen Typen aus seinem Land. Haarsträubend, nicht?

Haarsträubend sind ebenfalls diese ganzen Verbindungen, wie wer mit wem verwoben ist (siehe Gauland). Lutz Bachmann, PEGIDA-Frontmann, behauptet zum Beispiel, dass er gute Verbindungen zum Springer-Verlag habe. Der Springer-Verlag sagt freilich, dass die Zusammenarbeit überhaupt nicht so dicke sei. Ein paar Leserberichte und Bilder habe er an die BILD geschickt, der Bachmann. Von „Unfällen“ im Raum Dresden.

Es beschleicht uns zwingend der Gedanke, ob es sich bei jenen „Unfällen“, über die der Bachmann angeblich geschrieben hat, in Wirklichkeit nicht um etwas anderes gehandelt hat. Hat sich doch die BILD wieder einen gigantischen Witz erlaubt, mit folgender Schlagzeile: „Politiker fordern: Christen sollen im Weihnachts-Gottesdienst muslimische Lieder singen“. Der ganze Bericht ist eine Ente. Trotzdem, es entsteht ein flaues Gefühl beim „BILD-Humor“. Die hat übrigens ein Jahr nach dem Friedrich-Satz über eine „Studie“ berichtet, welche zeige, dass sich jeder fünfte Muslim in Deutschland nicht integriere.

Franz Jänich, Spiele- und App-Rezensent, hat ein Satire-Video online gestellt: „Prince of Pegida“. Es soll einen Trailer zum dazugehörigen Spiel von „NS-Games“, (das es natürlich nicht gibt), zum Preis von 8,88 Euro darstellen. Witzige Idee, witzige Umsetzung, bloß besteht hier leider die Gefahr, dass so mancher mit eben jenem PEGIDA-IQ dies für voll nimmt, beziehungsweise zu ähnlichen Produktionen inspiriert wird. Und dass sich ein Teil der Diskussion bald darum dreht, ob man so was veröffentlichen darf, blubblubb, weil die meisten Zeitgenossen leider „Satire“ erst mal googeln müssen – und dann immer noch nicht verstehen. Dies wiederum wäre reine Zeit- wie Ressourcenverschwendung.

Über was man ausführlich reden sollte(!), in der Politik, in den Medien, in der Gesellschaft, sind die Fakten von rechter Gewalt. 2014 haben (laut www.netz-gegen-nazis.de) fremdenfeindliche Elemente 21 Angriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte verübt; in 13 Fällen in Form eines Brandanschlags, in acht Fällen wurde dort randaliert. Mindestens sieben Flüchtlinge sind Opfer rechter Gewalt geworden, mindestens elf sind rassistisch beleidigt worden. Wobei wir hier nur Fälle lesen, die auch gemeldet worden sind. Dazu kommen unter anderem 24 Demonstrationen, auf denen gegen Flüchtlinge gehetzt wurde.

Die Asylsuchenden müssen allerdings aus ihrer Heimat flüchten, weil sie terrorisiert oder gleich umgebracht werden – unter anderem von Gestalten, die dem IS beitreten. Der IS ist wiederum (offenbar) eine Folge davon, dass unsere Politiker in Sachen Außenpolitik gerne eine Contenance beweisen, die an Phlegma oder Totenstarre erinnert. Obendrein ist der IS eine Ursache, warum PEGIDA überhaupt so plötzlich funktioniert. Und wieder zeigt die deutsche Politik Zurückhaltung. Da beißt sich die Katze in den Schwanz.

Derzeit ist kein Ende der PEGIDA und ihres Gedankenguts in Sicht. Kein Wunder, beides wird seit Jahren von rassistischen und faschistischen Personen/Gruppierungen gepflanzt und gepflegt. Und alles wird, wie man sehr schön sieht, mit Angst begossen. Man macht dem Volk Angst vor „den Fremden“, die kommen und ihm die Bio-Butter vom vollwertigen Eiweiß-Brot stehlen. Die deutsche Politik schaut zu, lässt sich in manchen Fällen einspannen. Ein paar von uns anderen erheben sich zwar, gehen auf die Straße. Aber, wenn sich nicht mehr von uns mehr gegen diese Volksverhetzung wehren, könnte sich wie gesagt etwas ganz Ekelhaftes wiederholen.

Dann werden in der Zukunft vielleicht die Deutschen an einem Jahresende zurückblicken und sich drei Leute herauspicken, die im Kampf gegen Neo-Rechtspopulisten und -Rechtsradikale ihr Leben gelassen haben. Und dann werden sie sagen: „Na! So schlecht sind wir gar nicht.“

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Andrea Limmer

Redakeurin

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