Seehofer oder Söder? Die CSU im Dilemma der freien Wahl - German News Deutschland Nachrichten abseits des mainstream German News Magazin

Seehofer oder Söder? Die CSU im Dilemma der freien Wahl

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Den Dolch im Gewande

Die Union und besonders die CSU tun sich seit je her schwer, überzeugend Toleranz gegenüber Einwanderern oder Flüchtlingen zu zeigen. Bestes Beispiel: Markus Söder. Dieser würde mit Sicherheit sofort ohne jede Diskussion als Kronprinz gehandelt werden, wäre er kein Franke. Ein Franke als Ministerpräsident ist das rote Tuch des Unionsstiers, seit der Beckstein seine Präsidentenchance so vergeigt hat.

Ich bin seit langem ein bekennender Frankenfan. Dieses Volk verfügt (zum Großteil) meiner Meinung nach über eine so vollendete Contenance und einen solch ausgefeilten Humor, wie man das sonst nur noch partiell in Niederbayern antreffen kann(!). Aber es gibt in Franken auch die Söders - welche bezeichnenderweise auswandern und etwas Großes werden wollen, ergo sich entfranken.

Freilich, unsympathisch findet man ihn auch, den Söder. Immer so auf Krawall gebürstet, ihm fehlt die Eleganz eines Guttenberg, so fesch wie die Aigner ist er auch nicht und dann guckt er immer noch so böse (wie ihm seine Frau nach der Runde bei Illner erklärt hat). Allerdings trifft dies alles auch auf einen Strauß, Stoiber oder Seehofer zu. Aber die waren/sind halt keine Franken. Die haben auch nie Franken als den „schönsten Teil der Welt“ betitelt (was der Söder in Unterfranken getan hat). Wahrscheinlich, weil denen ein Sekretär doch mal gesagt hat, dass Bayern nicht die ganze Welt ist. Solche Sprüche beweisen ein ums andere Mal, wie plump der Söder agiert. Auch dieser: „Deutschland geht es so gut, weil es uns Bayern gibt.“ Eigentlich passt der Spruch zu einem bayrischen Ministerpräsidenten, der gerade nicht mit einem Bierfest-Auftritt seine Bayern bezirzen kann. Leider zucken die CSU und der gemeine Altbayer zusammen, wenn man den Satz auf Fränkisch hört. ee9565fa9f7245819d37b1d11f5d5914

Der Beckstein hat sich den Thron dereinst ja gewissermaßen erputscht. Und nun kommt der Söder daher, offenbar ähnliches im Schilde führend. In oben erwähnter Unterfrankenrede hat er außerdem den Anschluss einer jeden Gemeinde „an die Daten-Autobahn“ versprochen. Oho! Wo sich doch Horst Seehofer selbst eine Amtszeit bis 2018 versprochen hat. Ist das wieder ein Schritt, den Dolch im Gewande tragend, auf den König zu, um ihn zu schwächen? So in etwa: „Wenn ich schon mehr zu sagen hätte, wäre alles besser. Weg mit den alten Zöpfen und Köpfen!“?

Dass er den Koalitionsvertrag einem „Konjunktur-Check“ unterziehen möchte, also alles stoppen, was wirtschaftlich gesehen schlecht ist, ist ganz sicher ein großer Schritt. Denn damit kritisiert er nicht nur die große Koalition, die Seehofer braucht, als Machtstütze und um die Maut durchzuhauen, sondern gleich noch den Seehofer als großen Entscheider beim Abschluss des Vertrags und den Dobrindt samt eben seiner geplanten Maut. Zwei auf einen Streich. Allerdings kommt die Maut bei einem Teil der bayrischen Bevölkerung gut an, nämlich dem Teil, der gern in Stammtische hineindrischt und ramentert: „Genau! Sollen die andern auch mal zahlen!“ Und dieser Teil bestimmt, seitdem der Mensch sich für den aufrechten Gang entschieden hat, die Politik im schönen Freistaat.

Doch wo der Söder vielleicht das Volk vergrätzt, umschmeichelt er es beim beliebten Thema „Länderfinanzausgleich“. Einerseits betont er seine grundsätzliche Solidarität (dieser Hippie!), andererseits sagt er: „Wir haben die Gutmütigkeitsgrenze überschritten.“

Und da drischt es schon wieder in einen Tisch hinein und ramentert: „Genau! Sollen die andern auch mal zahlen!“ So könnte der Söder also mit seiner doppelten Verweigerungshaltung ganz leicht den Dobrindt als weiteren MP-Kandidaten ausstechen, bevor der Dobrindt das selber tut.

Na ja, mag man denken, Horst I. hat ja immer noch seine Aigner Ilse. Die könnte er wieder rehabilitieren. Leider ist die Ilse kein Wadelbeißer wie der Söder. Das würde ein ungleicher, hässlicher Kampf werden, bei dem Seehofer seinen schönen, treuen Collie Aigner verlieren könnte. Allerdings pfeifen in München die blauen Spatzen von den Dächern, dass die Ilse gar nicht die ganze Macht möchte. Angeblich hat sie verlautbart, dass sie sich gut darin gefiele, Königin der Bayern zu sein, während der Markus in Berlin das Zepter schwingt. (So etwas macht man ja gern mit unliebsamer Verwandtschaft: ins Ausland schicken.) Gemäß dieser Info könnte man denken, dass es ein Tauschgeschäft gewesen ist, die Ilse heim ins Königreich zu holen und dafür den Berlinern den Markus zu schicken. „Da habt ihr ihn. Jetzt könnt ihr schauen, wie ihr mit ihm fertig werdet.“ Ein anderer Grund fällt mir nicht ein, so aktiv inaktiv wie die Aigner geworden ist.

Als Druckmittel fällt Horsts Mädel jedenfalls weg. Die Haderthauer war auch nicht von Dauer und der Dobrindt... Nun, das größte Problem von Herrn Dobrindt ist, dass er Herr Dobrindt ist. Ich habe noch niemanden getroffen, der diesen Menschen und Mau(t)schler ernstgenommen hat. - Nein, Moment, ein befreundeter Journalist hat mir erklärt, dass er glaube, der Dobrindt werde der nächste Ministerpräsident. Allerdings ist dieser Freund von mir Franke. Vielleicht ist das ein Schachzug der Franken: Alle tun so, als ob der Söder keine Chance hätte, wir vergessen ihn total, und dann -bäm!- mausert er sich mit der vollen Rückendeckung seines Stammes mit einem Staatsstreich zum Superstar und die Altbayern schauen mit dem Ofenrohr ins Gebirge.

Ein Zuckerl für alle Verschwörungstheoretiker hab ich auch noch: Strauß, Stoiber, Seehofer! Alle drei Namen fangen mit S an! Somit haben der Dobrindt oder die Aigner gar keine Chance, wobei der Söder wiederum perfekt in die Reihe passen würde.

Aber, werden sich manche fragen, wenn die Wahl erst 2018 ist, warum veranstalten die beiden jetzt schon einen Catfight? Antwort: Weil sich der Seehofer nächstes Jahr für zwei weitere Jahre zum Parteiboss wählen lassen möchte. Da kann er keinen Amigo brauchen, der unloyal sein eigenes Brennsupperl kocht.

Außerdem sägen derzeit noch andere Flüchtlinge an Seehofers Thron: die aus Afrika durch Italien direkt zu uns kommen. Das mag der Bayer nicht, weil der am liebsten seine Ruhe haben mag. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer weiß, was man in solchen Situationen sagt: „Lampedusa darf kein Vorort von Kiefersfelden werden.“ Das hilft zwar nix, ist aber lustig, weil völliger Unsinn. Gut, der Scheuer hat auch seine Doktortitel abgelegt, obwohl bewiesen worden ist, dass er kein Plagiat geschrieben hat. Er gibt sich also gern dem Unsinn hin. Außerdem zeigen solche Sprüche die Hilflosigkeit der CSU, also auch von Seehofer. Die Opposition reibt sich indes die Händchen und wirft Seehofer vor, dass er nicht rechtzeitig reagiert habe, weil schließlich kein Thema zu ernst ist, um damit Wahlkampf zu machen.

Und dann kommt auch schon wieder der Söder an und schlägt vor, dass man doch Geld aus dem Fluthilfefond nehmen könne, um die Flüchtlinge zu versorgen. Das setzt natürlich den Seehofer wieder unter Druck, weil die Flutopfer aufschreien, aus Angst, dass für sie nix mehr übrig bleibt, und er steht als Bremser da, während der Söder sich als innovativer Ideengeber und Flüchtlingsfreund darstellen kann.

Einen erneuten Sturz wie bei Stoiber kann sich die CSU auf keinen Fall leisten. Weder gegenüber ihren Mitgliedern, noch gegenüber der Öffentlichkeit (das miserable Wahlergebnis bei der Europawahl ist noch nicht vergessen). Wäre die CSU wirklich eine Familie, würde Seehofer zu Söder sagen: „Bub, wie sieht denn das aus? Reiß dich zusammen, sonst verkauf ich deinen BMW.“ So aber droht Papa Horst, dass er länger als geplant im Amt bleibe, sollte sich der Markus weiterhin daneben benehmen. Das ist genauso unsouverän und hilft wahrscheinlich genauso wenig wie ein Autoentzug. Und wer sagt, dass die CSU den Seehofer überhaupt noch länger will? Oder die Wähler? - Ja, das war ein kleiner Scherz; die Wähler als Entscheidungsträger, was haben wir jetzt gelacht.

Dem Seehofer ist das Lachen erst einmal vergangen, wegen seinem Zögling Söder, den schon länger keiner mehr hat lachen sehen – außer im fränkischen Fasching. Und vielleicht wäre das auch das Amt seines Lebens: Faschingsprinz. Uns, die wir als dauernd berauschte Narren nach jedem Bonbon grapschen, dass uns die Königskarawane zuwirft, wäre es zu wünschen.

Gemäß der alten Idee: „Dem Volk geht es gut, wenn es kluge Volksvertreter gibt.“

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Andrea Limmer

Redakeurin

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